
Es war einmal – und wenn Sie Teile dieser Geschichte lesen, werden Sie merken: vor gar nicht so langer Zeit – dass es sich begab, das am Hofe eines Herrschgeschlechts unter Anderem eine junge Prinzessin lebte. Natürlich ging am Hofe einiges vor sich, die eine Grafschaft nebenan erhob Anspruch auf einen Flecken Land und erkannte den uralten Vertrag nicht an, da er damals von einem Mönch geschrieben war, der aber in Latein geschummelt hatte, also waren zentrale Bedingungen der Landteilung nun wirklich einfach in Frage zu stellen und es gab bereits Keilereien.
Ach, dann war da noch der Bruder, der Prinz, dessen ungehemmtes Verhalten des Nachts bestimmt zu einem sehr komplexen Erbfolgekrieg führen würde, ganz abgesehen von Kosten für den Haushalt eines recht kleinen Staates.
Der König war in ein sehr fernes Land gezogen, um den dortigen Bewohnern ihre Fehlansichten bezüglich der Herkunft allen Lebens zu erklären, insbesondere die Biologie hatte es ihm angetan also taten er und seine Mitstreiter ihr Bestes, möglichst viele jener anderen Bewohner zu sezieren.
Die Königin hatte dies nun zum vierten Mal erlebt und erwartete keinerlei Besserung, so war sie auf ein Landgut gezogen, das den besten Wein im Staate herstellte, schon alleine, weil wir über einen kleinen Staat reden und dann auch noch dass alle Weinspezialisten Hochstapler sind und ein Wein entweder gut ist oder nach Reinigungsmittel schmeckt. Jedenfalls, Wein und Winzer hatten es ihr angetan.
Die Prinzessin sorgte sich. Sehr sogar und das jeden Tag. Man sollte dazu wissen, dass es für das menschliche Gehirn etwas nachteilig ist, in solchen Umständen den präfrontalen Cortex auszubilden, mit den dauernden Sorgen und all dem. Unsere Prinzessin – obwohl von kleinster Statur – krampfte nun sehr gerne mit den Händen und es dauert nicht lange, bis die Bediensteten entdeckten, dass ihre Hände beinahe übermenschliche Druckkräfte entwickelt hatten, nun aufgrund des ganzen Nachdenkens über zukünftige Sorgen eben.
Zuerst zerdrückte sie aus Versehen einiges Schreibwerkzeug, dann die Lehnen verschiedener Stühle, und als die ersten schmiedeeisernen Türgriffe zerdrückt worden waren, begann die Sensation. Man gab der magisch-manischen Prinzessin immer solidere Dinge in die Hand, begonnen mit verschiedensten Metallen, die alle in Prinzessinnenfaustform endeten. Dann wurde der Mühlstein ausprobiert, aus dem sie mühelos ein Stück herausdrücken konnte, schließlich fand man ein Stück Granit, das alsbald Granitstaub wurde.
Die Geschichte der verkrampften Prinzessin machte nun die Runde im Lande und erreichte schließlich auch den im Fernen Lande sezierenden König, der da verlautete, dass wer auch immer etwas fand, was seine Tochter nicht zerdrücken könnte, sie haben könnte, denn so sei sie für eine Vermählung mit einem Verbündeten ja nun wirklich nicht geeignet, wann man mal länger über das Problem nachdachte.
Zuerst kamen Gesandte aus dem höchsten Norden, sie brachten das kälteste Eis, das jemals gefunden worden war. Die Prinzessin beschwerte sich über die Kälte, das Eis aber war schnell gewürfelt.
Dann kamen Gesandte auf dem tiefsten Süden, sie brachten einen Diamanten, der genau so in einem Stück gefunden worden war und eigentlich für die Krone einer wichtigen Königin gedacht war, sie hatten ihn nur ausgeliehen. Dies stellte sich als Fehler heraus, da Diamantenstaub deutlich weniger beeindruckend auf Kronen aussah als das ursprüngliche Stück. Der daraus resultierende Streit stresste unsere Prinzessin noch mehr.
Dann kamen Gesandte aus den fernsten Westen, sie brachten einen Knochen, der Milliarden Jahre im Boden überlebt hatte und als letzter Drachenknochen galt. Der Drache allerdings musste nach seiner Niederlage gegen Beowulf posthum noch eine weitere Niederlage über sich ergehen lassen und wurde nun von den Bediensteten brav aufgewischt.
Dann kamen Gesandte aus dem weiten Osten, sie hatten die unendliche Steppe abgesucht, und einen kleinen Meteoriten gefunden, aus einem Material, das von den Göttern auf die Erde geschickt sein worden musste, und zwar zu genau diesem Zweck. Auf bakterieller Ebene enthielt dieser Meteorit sogar die ersten Zeichen außerirdischen Lebens, das zur Begrüßung auf dem Planeten Erde einfach zerquetscht wurde und eine wichtige Lektion über den Menschen lernte.
Lange Zeit geschah nun gar nichts, es waren die Ideen ausgegangen, bis die alte Dorfhexe vorstellig wurde, man muss sich bei ihr nur nach jeder Aussage ein irres Lachen vorstellen, dann hat man das Bild einigermaßen erfasst.
Sie gab der Prinzessin einen Ballen Kräuter in die Hand, und der versammelte Hof lachte. Die Prinzessin griff zu, der Ballen verformte sich, aber zerquetscht wurde er nicht. Um genau zu sein konnte die Prinzessin danach normale Dinge anfassen, ohne sie zu zerstören, die Sensation war gelungen. Auch war die Prinzessin irgendwie entspannter und ruhiger und so wie der Handel mit dem fernen König besprochen worden war, ging sie nun mit der Dorfhexe mit in den Wald. Der Hof prüfte kurz die Unterlagen, aber das Verbrennen von Hexen war bereits verboten worden, seitdem man zu der Einsicht gelangt war, es könne nicht gut für den Genpool sein, wenn man jede Frau verbrennt, die Intelligenz an den Tag legte.
Im Walde erklärte die Dorfhexe, dass es sich lediglich um eine Sammlung Kräuter handelte die, bei der ersten kleinen Quetschung, über die Haut – sie benutzte den korrekten Begriff „dermale Anwendung“ – ganz einfach eine krampflösende Wirkung als Muskelrelaxans übertragen hatte.
Im Wald wurde nun eifrig debattiert, denn als nächstes wartete die Hexe ein wenig, bis die Wirkung nachließ und dann bat sie die Prinzessin, ein Stück Kohle zu zerdrücken und der erste künstliche Diamant entstand, auch deshalb, weil die Prinzessin zu sehr warmen Händen neigte.
Fortan arbeiteten die beiden Hexen im Walde zusammen und sammelten weitere Gefolgte um sich, schon bald entstand der Welt erste Fabrik für Psychopharmaka, ein Markt, der sich im späten Mittelalter schneller ausbreitete als jegliche Pestbeule es könnte. Die Prinzessin testete die besten Mittel und bediente die Presse, also war bald auch ein orales Medikament im Angebot. Bezahlen ließ man sich in Kohle, Ausgaben wurden in Diamanten bezahlt.
Was mit dem Hofe und dem König, der Königin und dem illustren Bruder geschah, ist ebenfalls überliefert, der Hofe wurde wie so viele zu einem Kleinstaat mit geringen Steuersätzen, der König fiel vom Pferde auf den Kopf und konnte seine letzten Momente mit dem Studium des menschlichen Gehirns verbringen. Die Königin blieb beim Winzer, denn der hatte außer Winzern keinen Schwachsinn im Kopf. Ah, und der Bruder setzte sich in ein fernes Land ab, als Alimente zum Gesetz wurden.
Die Moral von der Geschichte ist, dass wenn ich ein Pharmaunternehmen wäre, würde ich mir diese Geschichte auf die Flagge schreiben, kein Mensch interessiert sich dafür, welche 3 Investoren zusammenkamen und Marktanalysen betrieben. Hexen in Wäldern, Leute, das wollen die Menschen lesen!
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